Der Heimatverein

Im Jahre 1908 gab es in Saalborn folgende Vereine: den Krieger- u. Militärverein, den Kranken-Unterstützungsverein, den Radfahrer-Verein, den Viehversicherungsverein, die Burschengesellschaft.

Im Jahre 2001 gab es in Saalborn folgende Vereine: Keinen.

Die Freiwillige Feuerwehr Saalborn war die einzige verbliebene Organisation, die noch irgendeine Art gesellschaftlichen Lebens repräsentierte.

Für diese Entwicklung gibt es nachvollziehbare Gründe. Mancher mag des Organisationsdrucks überdrüssig gewesen sein, den die staatlichen Organe der DDR ausübten, um möglichst viele Bürger ihres Landes eingebunden und „im Blick“ zu haben. Mancher mag nach dem Ende der DDR froh gewesen sein, damit endlich in Ruhe gelassen zu werden. Viele Saalborner hat die Wendezeit in private Turbulenzen gestürzt, die alle Aufmerksamkeit forderten und für anderes wenig Raum ließen.

Andererseits ist beim „Walten des Öffentlichen“ von Amts wegen seit Mitte der 90er Jahre ebenfalls eine deutliche Abnahme zu verzeichnen. Nicht zuletzt die bedrohliche finanzielle Lage der Stadt Blankenhain ist auch im Ortsteil Saalborn unübersehbar, wo vielfach nicht einmal das vielzitierte „Nötigste“ geschieht.

Die Dinge wieder selbst in die Hand nehmen

Die Frage stellte sich, ob man sich in diese Lage ergeben sollte, oder ob man versuchen sollte, die Dinge wieder stärker selbst in die Hand zu nehmen. Es war im Jahre 2001, als Wilfried Dollase und ein paar Gleichgesinnte beim Bier saßen und darüber nachdachten, wie das Letztere zu bewerkstelligen sei. Den Worten folgten Taten, und am 16. Juni 2001 gründeten acht Saalborner den gemeinnützigen „Heimatverein am Goethe-Wanderweg Saalborn e.V.“ mit dem Ziel, bürgerschaftliches Engagement im Ort neu zu organisieren. Als Aufgaben des Vereins wurden die Förderung der Heimatpflege und Heimatkunde, die Brauchtumspflege sowie der Naturschutz in der Ortsgemarkung beschlossen. Denn eines der kostbarsten Güter, die heutigen Generationen anvertraut sind, ist die Erinnerung, ohne das die Identität in Gefahr gerät. Darum wurde die Arbeit des Vereins auch dem Gedenken derer gewidmet, die in den Weltkriegen ihr Leben verloren oder die sich besondere Verdienste um den Ort erworben haben.

Inzwischen ist der Verein auf über zwanzig Mitglieder angewachsen und hat schon so manches bewegt. Dabei geht es nicht nur um die Erledigung von Aufgaben, sondern auch um die Verbindung der Arbeit mit der Geselligkeit im Ort. Die Anlässe sind zahlreich. Ob beim Frühjahrs- und Herbstputz, bei der Pflege alter Traditionen wie Osterfeuer und Maibaumsetzen oder beim alljährlichen Heimatfest mit Festzelt und Kapelle – immer werden Gelegenheiten der Begegnung geschaffen, bei denen sich die Bewohner des Ortes untereinander und mit ihren Gästen treffen und ins Gespräch kommen. Der Heimatverein leistet so auch einen Beitrag für den Zusammenhalt im Ort.

Die Aufgaben des Vereins

Die folgenden Aufgaben hat sich der Heimatverein im einzelnen auf die Fahnen bzw. in die Satzung geschrieben:

  • Aufarbeitung der Geschichte Saalborns und Erstellen einer Chronik;
  • Mitwirkung bei der Planung, Ausführung und Gestaltung von Maßnahmen im Ort Saalborn und seiner Umgebung durch die Kommunalbehörden;
  • Pflege des Goethewanderweges in der Gemarkung Saalborn;
  • Pflege und Ausschilderung von Rundwanderwegen „Rund um Saalborn“;
  •  Instandsetzung und weitere Verschönerung des Dorfgemeinschaftshauses;
  • Baum- und Grünlandpflege;
  • Vereinsfeiern, Heimatfeste;
  • Kontaktpflege zu anderen Vereinen.

Vieles wurde und wird laufend und ohne viel Aufhebens erledigt. Mitglieder übernehmen die Grasmahd der kommunalen Flächen in der Ortslage. Es wurden naturnahe Bänke gebaut, Wanderwege freigeschnitten und der Goethewanderweg in der Gemarkung Saalborn gepflegt. Ein Schaukasten für Informationen des Heimatvereins wurde gebaut und auf dem Dorfanger aufgestellt; eine Steintafel für die Gefallenen und Vermissten des zweiten Weltkrieges wurde am Kriegerdenkmal des Ortes angebracht und enthüllt. Waldpflegemaßnahmen, das Pflanzen und Verschneiden von Bäumen, die Sanierung eines steinernen Wanderwegweisers, die Instandsetzung eines Schwengelbrunnens und vieles andere mehr ist im Laufe der Jahre erfolgt oder geschieht alltäglich. Jedes Jahr werden Beiträge zur neueren und älteren Geschichte Saalborns für das Blankenhainer Jahrbuch erarbeitet.

Das Heimatfest mit Rasentraktorrennen

Das Saalborner Heimatfest wurde erstmals im Jahre 2002 durchgeführt und ist seitdem zu einer festen Tradition geworden, die alljährlich im August für zwei bis drei Tage mit Festzelt, kulinarischen Spezialitäten und einem fröhlichen Familienfest Besucher aus der Region anlockt und das ganze Dorf auf die Beine bringt.

Eines seiner Hauptattraktionen ist das Rasentraktorrennen, seit 2003 einer der Höhepunkte des Heimatfestes. Dazu treten 10 bis 15 Fahrer mit ihren (zumindest laut Reglement) unfrisierten „Aufsitzmähern“ zu einem anspruchsvollen Geschicklichkeitsparcours mit anschließendem Zeitfahren an. Dies geschieht unter den Augen eines von Jahr zu Jahr zahlreicher werdenden Publikums, angelockt nicht zuletzt durch die engagierte Unterstützung seitens der Thüringer Allgemeinen und zusätzlich befeuert durch professionelle Moderatoren wie den einstigen Antenne-Thüringen-Moderator Andy Schneider.

Das Dorfgemeinschaftshaus

Im Jahre 2004 erfuhr der Heimatverein aus dem Blankenhainer Amtsblatt vom beabsichtigten Verkauf des Dorfgemeinschaftshauses, der ehemaligen Saalborner Schule. Sie war das letzte kommunale Gebäude im Ort und damit der letztmögliche Basisort für die Aktivitäten des Heimatvereins. In der Folge setzten sich die Ortsbürgermeisterin und der Ortsrat, die Mitglieder des Heimatvereins, aber auch andere Einwohner des Ortes vehement für die Verhinderung der Privatisierung ein. Als am 13.10.2005 die Blankenhainer Abgeordneten zur Sitzung strebten, um über den Verkauf der alten Saalborner Schule abzustimmen, begegneten sie einer Demonstration zahlreicher Einwohner des Ortsteils, die ihnen lautstark und unmißverständlich kundtaten, was sie von der Sache hielten.  Die Mehrheit der Abgeordneten ließen sich nicht von den vorgebrachten Argumenten der Bürger und dem Antrag der Ortsbürgermeisterin auf Verbleib der ehemaligen Saalborner Schule im kommunalen Eigentum beeindrucken, der Verkauf an den Heimatverein wurde beschlossen.

Noch einmal erworben

Nach langen Verhandlungen mit der Stadt Blankenhain wurde das Gebäude, das in den Jahren 1863 und 1864 von den Saalbornern in Eigenleistung zur Beschulung ihrer Kinder errichtet worden war, am 20.07.2006 (Grundstückskaufvertrag mit Auflassungen) erneut erworben. Seitdem gehören der Erhalt und die Schritt für Schritt erfolgende Sanierung der alten Schule zu den vordringlichsten Aufgaben des Vereins, der dies als zusätzliches Vereinsziel in die Satzung aufnahm. Der Vereinssaal (das ehemalige Klassenzimmer), die Küche, das Dach und die Treppe zur Eingangstür sind mittlerweile erneuert; weitere Maßnahmen sind in Arbeit.

Vorsitzender Wilfried Dollase

Vorsitzender des Vereins ist seit den Anfängen im Jahre 2001 Wilfried Dollase. Ihm ist nicht nur die Initiative zur Gründung zu verdanken, sondern auch der Fortbestand über nunmehr 11 Jahre und das Anwachsen des Vereins auf seine heutige Mitgliederzahl. Wilfried Dollase leitet nicht nur die regelmäßigen Treffen, sondern auch die meisten Aktivitäten in Saalborn und Umgebung. Er vertritt den Verein bei Behörden und Gremien und ist nahezu unermüdlich für ihn im Einsatz. Dieses Engagement wurde mit dem

  • Kreisheimatpflegepreis 2005 des Kreises Weimarer Land
  • Thüringer Ehrenamtszertifikat der Thüringer Ehrenamtsstiftung des Freistaates Thüringen 2010

ausgezeichnet.

Würdigung des Heimatvereins am Goethe-Wanderweg Saalborn e.V.

Am 11. Mai 2011 wurde dem Heimatverein für das hervorragende ehrenamtliche Engagement für die Heimat- und Brauchtumspflege der

  •     Kreisheimatpflegepreis 2011 des Kreises Weimarer Land

auf dem 15. Kreisheimatttag in Kapellendorf verliehen.

Ein Dorf mit Zukunft

Die Mitglieder des Heimatvereins treffen sich in der Regel einmal im Monat und besprechen die anstehenden Aufgaben. Bei deren Erledigung handelt es sich selbstverständlich ausschließlich um ehrenamtliches Engagement. Alle opfern für den Verein und das Dorf beträchtliche Teile ihrer Freizeit. Warum sie das tun? Man kann es für verrückt halten. Aber Heimat ist eben mehr als Besitz. Und die Liebe zur Heimat endet nicht am Zaun des Eigenen. Sich auch „jenseits des Zauns“ zu engagieren, kann zum Beispiel ein Ausdruck von Heimatverbundenheit sein.

Die Arbeit des Vereins steht unter dem Motto:

„Unser Dorf soll schöner werden, denn unser Dorf hat eine Zukunft.“

Es soll schließlich niemand auf die Idee kommen, Saalborn eines Tages aufzugeben. Das beste Mittel dagegen ist eine engagierte Bürgerschaft, die sich die Belange ihres Ortes nicht aus der Hand nehmen läßt, sondern Saalborn als ihren gemeinsamen Lebensraum behauptet und bewahrt. Dazu wird der Heimatverein am Goethe-Wanderweg Saalborn e.V. immer nach Kräften seinen Beitrag leisten.